Gütersloh. Sie klettern auf Dächer, befreien Kamine von Ruß, kontrollieren Heizungen und sollen Glück bringen. Die Schornsteinfeger genießen seit jeher ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Einer von ihnen ist zum Jahresende nach fast 50 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. In Spexard und Avenwedde ist er unter seinem Spitznamen „Feger“ besser bekannt.
Als der in Oelde groß gewordene Hans-Werner Kreft eine Ausbildungsstelle suchte, wollte er gerne technischer Zeichner werden. „Dass war mein Berufswunsch und bei Haver und Böcker wollte ich anfangen“, erzählt der 63-Jährige. Im April 1963 kam alles anders. Der Nachbar seiner Eltern war Bezirksschornsteinfeger und Hans-Werner Kreft ging bei ihm in die Lehre. „Ich bin es immer gerne gewesen“, bereut der Spexarder die Berufswahl keinen Tag. Nach der Ausbildung folgten die ersten Gesellenjahre in Oelde und 1970 heuerte Kreft bei Meister Günter Bungert in Spexard an. „Dass waren die schönsten Jahre im Beruf und ich kannte jeden Kamin in Spexard“, verrät der leidenschaftliche Feuerwehrmann, der seit 1969 bei den St. Floriansjüngern seinen Dienst verrichtet.
In den 1970er Jahren war der Schornsteinfeger noch mit dem Fahrrad unterwegs und die Kamine wurden bis zu fünfmal im Jahr gesäubert. Erst mit dem Einbau der Zentralheizungen musste nicht mehr so viel gekehrt werden. „Bei den Bauern gab es Mittagessen und das Schnäpschen bei den Brennerei Spexard war nach dem Kehren immer eine Pflichtübung mit dem Brennmeister“, verrät er augenzwinkernd.
Seinen Meister hat er 1971 gemacht. Nach einem Dutzend Berufsjahren bei Bungert bekam er 1982 einen eigenen Bezirk in Brackwede. „Ich sollte erst nach Rahden versetzt werden“, erzählt Hans-Werner Kreft, der froh war, dass er in Bielefeld seine ersten Gehversuche als selbstständiger Bezirksschornsteinfeger machen durfte. Ein paar Jahre später kam dann die Versetzung nach Gütersloh. Vom Stillen Frieden über Avenwedde-Bahnhof bis nach Isselhorst reicht der Bezirk mit 2.500 Haushalten.
„Der Beruf hat sich gewaltig geändert und so viel Dreck wie früher bringst du heute nicht mehr mit nach Hause“, so Kreft, der die Lockerung des Kehrmonopols in Deutschland mit gemischten Gefühlen sieht. Ab 2013 soll jeder Hausbesitzer eine freie Wahl des Schornsteinfegers haben, so will es die Europäische Union. Bislang legt der Staat die Bezirke fest. „Die Auswirkungen der neuen Regelungen sind schwer einzuschätzen. Ich bin kein Hellseher“, sagt Kreft, der sich auf den Ruhestand freut.
Seinen Bezirk wird der Schornsteinfegermeister Sven Rauscher (35) übernehmen. Der Geselle Andreas Gök wird vom neuen Meister übernommen. Wie sein Chef ist auch Gök Schornsteinfegermeister und Energieberater des Handwerks.
am 02/12/11 um 18:05
Und wen interessiert das im Winter?