„Ertappt“ ganz oben auf dem Treppchen >

Gaumenfreuden statt Schwerlastverkehr

Erster Bürgerbrunch in Avenwedde-Bahnhof bringt rund 540 Menschen auf der Friedrichsdorfer Straße zusammen


Nachtisch geht immer: Steffi Ragut gibt ihren Tischnachbarn eine Runde Kuchen aus. Foto: Jens Dünhölter

Das war mal eine richtig gute Idee, die genau den Nerv traf. Zum 1. Bürgerbrunch in Avenwedde-Bahnhof versammelten sich am 6. Juli rund 540 auf der Friedrichsdorfer Straße mitten im Ort, um gemeinsam zu essen, plauschen und so einige unterhaltsame Stunden zu verleben. Nicht zu kurz gekommen ist dabei der Zusammenhalt im Ort. Schon kurz bevor es unter dem Motto „Gemeinsam is(s)t besser“ los ging, pilgerten die Gruppen und Grüppchen, zum Teil mit Bollerwagen im Schlepptau, an die „Schlemmermeile“. Kurz um: Der Plan, Leben in den Ortsteil zu bringen, von Arbeitsgemeinschaft Stadtteilgestaltung und des Sozialraums Avenwedde-Bahnhof ist ganz und gar aufgegangen.

Drei Stunden labten sich 560 Avenwedderinnen und Avenwedder auf der gesperrten Friedrichsdorfer Straße im Streckenabschnitt zwischen Eisdiele und Kreisverkehr im Freiluft-Gourmet-Tempel an 70 mit jeweils acht Personen besetzten Bierzeltgarnituren an mitgebrachten Köstlichkeiten wie frischen Erdbeeren, Brötchen, Kaffee, Kuchen, Prosecco oder ab 12.00 Uhr auch am in den Kühlboxen passend temperierten Gerstensaftkaltschorlen. Die örtlichen Bäckereien Liening, Jürgens, Glasenapp und der Schenkenhof stellten für jeden Besucher ein Gratis-Brötchen zur Verfügung und zum Auftakt spielte der Spielmannszug der Avenwedder Wehr. Mit dem mobilen Bad der Sanitär-Firma Verlsteffen, direkt an der Meile gelegen, hatte der Bürgerbrunch auch gleich ein „Stilles Örtchen“.

Die erste kniffelige Aufgabe galt es für das vielköpfige Organisationsteam bereits im Vorfeld mit der Wahl des Ortes zu lösen. Nach einigen Diskussionen entschied man sich mit der Friedrichsdorfer Straße für eine von zwei zentralen Durchfahrtsweg in Avenwedde-Bahnhof. Britta Mahne vom Organ-Team: „Unser Bahnhof wäre vom Hintergrund sicherlich schöner gewesen. Mit Rücksicht auf die Spielbedürfnisse der Kinder hat sich die Mehrheit für die Friedrichsdorfer Straße entschieden“. Als Alternative waren anfangs Schulhöfe sowie andere Straßenzüge diskutiert worden. Die in Abstimmung mit der Stadt Gütersloh erfolgte Platzauswahl war indes auch ein Statement der Bewohner gegen die zunehmende Verkehrsbelastung. Anwohner Wolfgang Sitz, Vorsitzender des Vereins „Der Bahnhof e.V.“: „Ansonsten quält sich von morgens bis abends Schwerlastverkehr vor unseren Haustüren her. Heute herrscht von 7.00 Uhr bis 16.00 Uhr idyllische Ruhe“. Der eigentliche Aufmarsch begann gegen 10.30 Uhr. Zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr wurde auf der 100 Meter langen Flaniermeile diniert, was die Bollerwagen hergaben. Mit Stimmung und Teilnehmerzahl an den fast überall ausverkauften Tischen waren die Ausrichter extrem lecker zufrieden. Britta Mahne: „Für’s erste Mal sind wir verdammt stolz“. Laut ihrem Mann hatten sich rund zehn Prozent der Bevölkerung beim schmackhaften Stelldichein von Kindergarten, Schulen, Vereinen, Nachbarschaften, Straßenzügen oder Firmenbelegschaften eingefunden. Ingo Mahne: „Avenwedde-Bahnhof hat knapp 5.000 Einwohner. Zehn Prozent davon sind eine tolle Zahl“. Auch das von seiner Frau apostrophierte Ziel „Wir wollen etwas für die Menschen tun“ wurde klar erreicht. Ebenfalls ohne Probleme mit einem grünen Häkchen versehen werden konnte der Wolfgang Stitz erhoffte zweite Aspekt: „Wir wollten den Stadtteil auf der Straße zusammenbringen“.

Wer neben neuen Kontakten auch etwas über die Ortshistorie lernen wollte, war bei Klaus Wulf richtig. Zur Verdeutlichung des Namensursprunges drapierte der zwischen Tellern, Tassen, Gläsern auch das Bild des Ortswappens. Da zeigt zwar ein Mufflon, aber Spaß muss sein. „Ziegen haben wir in Avenwedde immer noch reichlich“, knüpfte der Schwager von Tischlermeister Hermann Mesken mit Blick auf die weibliche Umgebung den spaßigen Bogen zwischen damals und heute. Der verbale Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: „Alte Böcke aber auch“.

Ob der ersten Auflage eine zweite folgt, will das Orga-Team demnächst besprechen, denn an Nachfragen mangelte es nicht. Angelika Rodrigues: „Wir setzten uns bald zusammen. Und besprechen das.“

Hauptprofiteur des „1.Bürger-Brunch in Avenwedde-Bahnhof“ sind die Malteser. Der Gesamterlös fließt in deren Initiative „Herzenswunsch Krankenwagen“. (jed)


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